Berufspraxis

Wenn der Kunde eine Nachbesserung verlangt

Regelmäßig bekomme ich zu meinen Veröffentlichungen Feedback und Fragen. Auf eine davon gehe ich heute ein:

Wie reagiert der Fotograf auf den Wunsch einer Nachbesserung?

Alex fragt mich:

Hallo Michael!

Ich bin seit einiger Zeit dankbarer Konsument von u.a. deiner Quicktipps. Danke für deine Mühe und Zeit die du dafür verwendest. Die Tipps sind wirklich jedesmal lesenswert und regen zum Nachdenken über das eigene Wirken an. Toll!

Ich hatte nur nie daran gedacht, die Tipps zu archivieren. Deswegen meine Frage an dich:

Gibt es eine öffentliche Datenbank in welcher man deine Tipps nachlesen kann?

Konkret wollte ich nachlesen ob du schon einmal etwas über Nachbesserungen bei Auftragsarbeiten bzw. aufgrund Kundenwünsche geschrieben hast. Gibt es bei bezahlten Fotoaufträgen überhaupt künstlerische Freiheit oder muss diese aufgrund des Geldes komplett beseite geschoben werden, sofern der Kunde dies wünscht?

Im Fall von Nachbesserungen kann ich mir vorstellen, dass Berufsfotografen gar keine Zeit dazu haben auf jeden einzelnen nachträglich eingebrachten Kundenwunsch (Falter hier weg, Bauch da kleiner, Person dort weiter nach links, etc. etc.) einzugehen, oder? Wie sieht das im realen Berufsfotografen-Alltag aus? Man möchte seine Kunden ja schließlich nicht verlieren.

Ich weiß nicht wie du darüber denkst, ob dies für die Allgemeinheit interessant sein könnte, aber vlt. gab es ja auch sogar schon einmal einen Quick Tipp dazu?

Schöne Grüße und Danke für deine Arbeit,
Alex

Mein Vorgehen, um es gar nicht so weit kommen zu lassen

Hallo Alex,

danke für Deine Frage. Nein, ein Archiv der Quicktipps gibt es leider nicht.

Daher möchte ich Dir Deine Frage hier beantworten:

Auftragsklärung

Ich ermuntere meine Kunden, mir ihre Wünsche genau mitzuteilen. Je genauer ich vorher weiß, was sie möchten, desto weniger kommt es nachher zu Änderungswünschen.

In der Regel vertrauen mir die Kunden aber sehr weit. Sie kommen ja zu mir, weil sie genau meinen Stil möchten, daher passt das meistens.

Aber ich lasse mir nicht erklären, wie ich meine Arbeit machen soll

Ich gehe ja auch nicht zum Metzger und sage ihm, wieviel Majoran er in die Leberwurst tun soll. Es ist seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass mir die Wurst schmeckt. Ist das nicht der Fall, gehe ich in ein anderes Geschäft. Aber wieviel Gewürz in die Wurst gehört soll er bitte selber wissen, dafür hat er seinen Beruf gelernt.

Sofortige Freigabe der Fotos

Sofern möglich lasse ich mir die Fotos direkt während des Shootings freigeben. Dafür fotografiere ich über USB-Kabel direkt in Lightromm (Tethered Shooting) und zeige meinem Kunden die Bilder.

Dabei weise ich auf eventuelle Diskussionspunkte hin:

  • Sitzt die Krawatte richtig?
  • Sind die Falten im Kleid so in Ordnung oder müssen sie behoben werden?
  • Sitzen die Haare einwandfrei?
  • Ist der (eventuell unruhige) Hintergrund beim Shooting vor Ort so gewünscht oder muss noch aufgeräumt werden?
  • etc.

Damit hole ich den Kunden ins Boot und gebe ihm die Möglichkeit, Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen.

Spätere Änderungwünsche

Sehr selten kommt es vor, dass im Nachhinein noch Änderungswünsche geäußert werden. Die greife ich gerne auf und setze sie um, es sei denn, der Aufwand wäre unverhältnismäßig hoch oder das Ergebnis würde nicht zu meinen eigenen Vorstellungen passen.

Dabei berufe ich mich dann nicht unbedingt auf die vorherige Freigabe des Kunden. Manche Dinge fallen ihm erst im Nachhinein auf, und wenn ich sie beheben kann, mache ich das gerne.

Sicherheit ausstrahlen

Ich denke, das Wichtige ist, seinem Kunden zu vermitteln: Ich beherrsche meinen Beruf und liefere erstklassige Qualität. Dann wird auch nicht viel über Details gesprochen.

Wenn man seinem Kunden aber unsicher gegenüber tritt und den Anschein erweckt, man wisse auch nicht so ganz genau, was man da tut, dann überträgt sich die Unsicherheit auf den Kunden. Auf einmal kommt er ins Grübeln, zweifelt an der Kompetenz des Fotografen und macht (eventuell sogar unsinnige) Änderungsvorschläge.

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Über Michael Omori Kirchner

Michael Omori Kirchner

Meine Herzensangelegenheit als Business-Coach ist es, Fotografen und anderen Kreativen dabei zu helfen, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können.

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5 Kommentare

  • Hallo Michael,

    vielen Dnak für Diene hilfreiche Antwort.
    Doc hwie sieht es aus, wenn man vielen Kunden in kurzer Zeit fotografiert, z.B. Kita, Abiball, Hochzeitsgäste.
    Da ist nicht die Zeit auf jedes Detail zu achten, doch manche Kunden erwarten
    ein Ergebnis wie bei einem individuellen Shooting.
    Beispiel: Ich stelle Matttücher und Puder mit Pads bereit, doch kaum jemand benutzt das.
    Doch nun hatt eich eine Beschwerde wegen Glanzstellen im Gesicht.
    Ich benutze keine serienmäßige Beaty-Retusche.

    Danke für Deine Antwort!

    Herzliche Grüße

    Monika Neiheisser

    • Michael Omori Kirchner sagt:

      Hallo Monika,

      danke.

      Leider sind die Kunden, die wenig zahlen, oft diejenigen, die am meisten auszusetzen haben. Ich selber biete daher günstige Aufnahmen gar nicht mehr an.

      Wenn Du als Fotografin siehst, dass die Person vor Deiner Kamera glänzt, dann würde ich sie noch einmal zum Pudern schicken. Vielleicht ist es bei einer Veranstaltung auch möglich, einen kleinen Informationszettel neben die Matttücher zu legen, wie die Tücher zu benutzen sind und warum sie wichtig sind.

      Wenn Du selber viele Leute nacheinander zu fotografieren hast, kannst Du als Fotografin ja nicht selber Hand anlegen, denn dann müsstest Du jeweils vorher die Hände waschen / desinfizieren und das ist in einer solchen Situation kaum machbar.

      Beste Grüße
      Michael

  • Gabriella sagt:

    Das kann ich nur unterschreiben. Wenn ein Kunde eine Nachbesserung wünscht, mache ich diese gerne, sofern der Aufwand nicht zu gross ist. Das kommt selten vor und wenn, dann sind es in der Regel Kleinigkeiten. Ich achte bei der Bildbearbeitung schon sehr darauf, dass alles gut ist. Da mache ich auch mal einen Oberarm schlanker oder muskulöser, oder schiebe den Bauch Richtung Gürtel. Aber immer nur soweit, dass der Kunde die Manipulation als solche nicht wahrnimmt. Er soll das Gefühl haben, dass er beim Shooting toll ausgesehen hat wie er ist.
    Ich hatte aber mal eine Gruppe für ein Teamfoto bei mir im Studio. Zwei Wochen danach wurde einer der Personen gekündigt und man fragte mich an, ob ich diese Mitarbeiterin rausretuschieren könne. Ähm, nein, das ging dann wirklich nicht. 🙂
    Vielen Dank für deine tollen Beiträge Michael, ich lese deine Posts immer mit Begeisterung.
    Liebe Grüsse
    Gabriella

  • Hallo Michael
    Besten Dank für Deine Infos die wir immer wieder von Dir erhalten. Ich kann sagen, dass ich es etwa gleich wie Du handhabe. Sollten im Nachhinein Änderungswünsche kommen, so werden die in der Regel kostenlos erledigt, ausser sie sind unverhältnismässig und sehr aufwendig. Da wird das aber dem Kunden so mitgeteilt. Wie z.B. bei einem Fall wie ihn Garbiella hatte: Auf einem Gruppenfoto war eine Person die kurz nach den Shooting gekündigt hatte. Sie war aufgrund ihrer Position auf dem Bild leicht zu entfernen ohne dass ein ‚Loch‘ entstand, das wurde dann nach Aufwand verrechnet.
    Zu Monikas Kommentar möchte ich folgendes sagen: Wenn ich soviele Aufträge annehme wie sie in Ihrem Beispiel nennt, dann muss ich den Kunden mitteilen, dass es mit dem Endergebnis etwas länger dauert als gewohnt oder aber ich habe mich übernommen bzw. hätte halt mal bei einem Auftrag Nein sagen sollen. OK, ist nicht immer leicht. Glanzstellen im Gesicht/Stirn treten sehr oft auf, vor allem im Sommer wenn es sehr heiss ist. Auch wenn gepudert wurde, gibt es die. Diese sind in der Regel innert einer Minute beseitigt (Photoshop). Oft ist aber auch meine Partnerin mit mir im Studio oder beim Kunden und übernimmt dann den Part des Puderns etc.
    Gruss
    Hanspeter

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